Hallo zusammen!
Ich habe seitdem das erste Semester erfolgreich hinter mir liegt nur noch Stress pur, darum auch erst jetzt wieder ein Post!
Ich muss für mein Studium ein sechsmonatiges Praktikum in der Landwirtschaft machen, dafür hatte ich mir für den ersten Monat einen Betreib im Münsterland ausgesucht. Dieser Betrieb war Familiengeführt und hat 120 Milchkühe plus deren weibliche Nachzucht, die männlichen Kälber werden an Bullenmäster verkauft, wenn sie wenige Wochen alt sind. Das Praktikum sollte ursprünglich im nächsten Jahr im Sommer für 2,5 Monate fortgeführt werden. Leider ist es dazu niemals gekommen, denn ich war von geplanten 30 Tagen nur 9 Tage dort und habe es dann abgebrochen.
Aber von Anfang an...
Mir wurde der Hof empfohlen, dort sei die Tierhaltung und das Wohl des Tieres im Vordergrund, trotz der Tatsache das es ein konventioneller Hof sei. Diese Aussage kam quasi von "höherer Stelle", genauer werde ich nun nicht darauf eingehen. Das Bewerbungsgespräch verlief vielsagend, der Landwirt und dessen Frau waren mir auf Anhieb smpatisch. Der Hof machte einen gepflegten Eindruck, die Tiere sahen gut genährt aus, wenn auch der Stall der Färsen mir recht klein und dunkel erschien. Der Betrieb hat 2 Melkroboter und ich war gespannt darauf den Umgang mit diesen Robotern zu lernen.
Am ersten Tag nahm die Landwirtin mich mit, ich musste mit ihr den Kot und den Urin der Kühe von den betonierten Laufflächen sschieben, um alles sauber zu machen. Danach wurden die mit Stroh gefüllten Liegeboxen gereinigt und frisch eingestreut und am Ende die Tränke gereinigt, danach noch der Roboter gewartet und gereinigt. Soweit so gut, anstrengend aber interessant. Die Kühe mochte ich sehr gerne, waren alle sehr neugierig und freundlich. Später habe ich dann die Kälber mit Milchaustauscher gefüttert, fand ich schonmal doof, das die alleine in so kleinen Boxen rumliegen müssen und nichtmal richtige Kuhmilch bekommen...Waren aber trotzdem alles aufgeweckte, süße Dinger!
Später musste ich die älteren Kälber füttern, Tränken kontrollieren und neu einstreuen, seehr anstrengend. Die haben einen schönen, großen Stall und sind in "Kindergruppen", war nur komisch das die alle Angst vor Menschen zu haben schienen. Am Ende des Tages nochmal füttern und den Stall reinigen, Roboter warten und dann war Feierabend, von halb sieben bis halb sieben *uff*
Aber das die Arbeitszeiten hart sind wusste ich ja und auch das es anstrengend werden würde, soweit war noch alles okay. In den nächsten Tagen wurden das meine Routineaufgaben.
Wenn eine Kuh gekalbt hatte und der Landwirt ihr das Kalb nahm war das immer furchtbar, zumal drenscht er !jedes! Kalb, was eigentlich so nicht in Ordnung ist, müssen die armen kleinen Tierchen doch dabei viel zu viel Flüssigkeit auf einmal aufnehmen und dann noch das schmerzhafte Schlauchschlucken... Die Mütter standen danach immer völlig geschafft da, mit hängenden Ohren und einem unendlich traurigen Gesichtsausdruck. Da kamen mir regelmäßig die Tränen, wenn das Kalb dann auch noch nach seiner Mutter rief :-(
Kühe die gerade mitten in der Geburt waren wurden über den kompletten Hof getrieben, während die Kälber hinten schon rausguckten, um in die Abkalbebox zu kommen. Einfach barbarisch, da ist eine Geburt schon so oder so anstrengend und schmerzhaft und dann auch noch extra Stress *kopfschüttel* Findet eine Geburt nachts statt und geht was schief, haben Kuh und Kalb Pech gehabt, denn der Bauer ist zu faul um nachts aufzustehen und die Geburt zu überwachen! "Dann gehn se halt kaputt" hat er gesagt, also von Tierwohl konnte ich da nichts finden!
Die Herden der laktierenden und der trocken stehenden Kühe wurden immer wieder neu gemischt, es gab Stress unter den Tieren und dabei ist es zu einer Frühgeburt gekommen...Dem Bauer wars egal, "passiert halt mal" meint er während er den Kadaver wegschafft. Das sehe ich nicht so, ist ein Tier trächtig braucht es Schutz und sollte nicht diversen Rangkämpfen ausgeliefert werden!
Tiere die behandelt werden mussten wurden angebrüllt, mit der Forke gestochen und geschlagen, wenn sie nicht spurten...Die Kühe hatten eindeutig ziemlich Schiss vor dem Bauer und stoben bei seiner Anwesenheit regelrecht auseinander! Komisch, bei mir haben sie das nicht gemacht, vielleicht weil ich freundlich zu den armen Dingern war. Die Kälber kamen sogar immer zum kuscheln und begrüßten mich, wenn sie sahen das ich kam. Beim Landwirt liefen sie nur ängstlich weg! Da sieht man mal wie sehr die Tiere ihm am Herzen liegen ^^
Der Landwirt hatte große Probleme mit mir, er wusste das ich Bio absolut gutheiße, er nutzte jede Gelegenheit über Bioprodukte her zu ziehen. Wenn ich eine neue Aufgabe bekam, erklärte er mir die nur grob und nie wusste ich was GENAU ich machen sollte und warum. Da blieb es nicht aus, dass ich Fehler machte, vor allem weil ER schon eine konkrete Vorstellung von der Durchführung hatte. Ich verstehe bis heute nicht warum er es mir nicht einfach detailliert erklärt hat, immerhin war ich doch da um zu lernen. Er machte eher den Eindruck, ich sei da um schon alles zu können und dann sollte (fast) gratis seinen Sklaven zu spielen. Wir rasselten immer öfter aneinander und am Ende eskalierte die Situation in einem Streitgespräch. Ich sagte ihm, dass ich mehr Erklärungen und Hilfestellungen benötigen würde, um die Aufgaben sachgerecht lösen zu können. Davon wollte er nichts wissen, ich solle mich halt mehr anstrengen. Nunja ich kann keine Gedanken lesen, also woher soll ich Sachen wissen, die mir niemand sagt und die ich noch nicht gelernt habe? Da war dann Schluss mit lustig und ich habe abgebrochen.
Besonders leid tat mir der arme Deckbulle, der in einem kleinen, schlecht gepflegten Stall vor sich hin vegetieren musste und nur Futterreste der anderen Kühe bekam. Auch das Bullenkalb, das einen Abszess im Maul hatte und einen viel zu kleinen Stall...es war ganz allein und der Landwirt lachte mich aus als ich ihn darauf ausfmerksam machte, dass der Kleine eine Behandlung brauchen würde, er bekäme ja eh "den Kopp ab". Genauso wie die Kuh mit der Fehlgeburt, wenn die nicht nach der Frühgeburt Milch geben würde...wie er sagte. Dabei hätte sie das gar nicht können, ihr Körper war noch nicht soweit.
So wie der feine Herr die Tiere aussortiert geht es ihm eindeutig um den Profit und nicht um die Kühe. Auch wenn seine Kühe und Kälber Schmerzen leiden, z.B. beim Enthornen, wo wenige Tage alte "Babys" glühende Metallstäbe in den Kopf gerammt werden, damit die Blutgefäße der Hörner veröden. Das müssen furchtbare Schmerzen sein, auch in den Tagen danach...Es ist mir unverständlich wie man so grausam und herzlos sein kann. Sowas gehört angezeigt, ist aber leider traurige Realität und auch noch legal!
Mein Fazit: Nie wieder konventionelle Landwirtschaft!!! Denn das ist Tierquälerei!
P.S. ich bitte Rechtsschreibfehler usw. zu ignorieren, ich bin gerade sehr müde und schon lange reif fürs Bett, da passiert sowas mal :-)
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