Mittwoch, 26. Oktober 2011

Haus Düsse-Landwirtschaftszentrum mit angeblichem "Tierflüsterer"

In den ersten Wochen meines Studiums standen auch mehrere Besichtigungen an, unter anderem das Versuchsgut Merklingsen, wo es hieß "es wäre nicht möglich, selbst beim ökologischen Landbau nicht, die Umwelt nicht zu belasten". Interessante Ansicht, komisch, dass es doch Menschen gibt die das schaffen, aber das soll nun nicht mein Thema sein. Mir geht es um das andere Versuchsgut, Haus Düsse. Ich wollte bei der Besichtigung unbedingt dabei sein, war sehr neugierig und hoffte, dass dort auch Versuche gemacht werden in denen es darum geht das Leben der Tiere zu verbessern. Ein schöner Irrglaube war das. Was ich dort nämlich zu sehen bekam, hat mich wirklich geschockt. Uns wurden erst einmal die Kühe gezeigt, die Milchkühe. Angeblich würden die sich sehr wohl fühlen, behauptete der Führer. Leider war das ganz offensichtlich nicht der Fall, dass konnte selbst ich als Laie erkennen. Besonders wo ich vorher nun schon den Milchbetrieb besichtigt hatte, auf dem ich zwei Teile meines Praktikums absolvieren werde. Die Tiere waren allesamt total abgemagert, man konnte jeden Knochen und jede Rippe sehen. Einfach furchtbar. Auch der Gesichtsausdruck war völlig anders, irgendwie unglücklich, wenn man das so sagen kann. Und sie versuchten aus Leibeskräften Kontakt zu einem aufzubauen, haben sich total lang gestreckt etc. :-( Der Geruch im Stall war kaum auszuhalten, selbst mit verstopfter Schnupfnase hatte ich das Gefühl in dem ganzen Ammoniak keine Luft mehr zu bekommen.

Der zweite Kuhstall roch nicht so streng, dafür ging es den Tierenhier auch nicht besonders gut. Sie waren zwar nicht abgemagert, aber dafür hatten sie zum Teil unglaublich riesige Euter. Das ist doch eine Qualzucht. Ein Tier stand völlig apatisch in der Ecke und hat sich sichtlich Mühe gegeben sich nicht zu bewegen, damit ihr Euter nicht an ihre Beine schlägt. Die Kuh hatte ein Euter, dass ihr bis vor den Schienenbeinen hing mit ca. 80 cm Durchmesser, legt mal nen Zollstock aus und stellt euch das vor!! Die Kuh hatte ganz offensichtlich starke Schmerzen und niemand hat sich dazu berufen gefühlt ihr Erleichterung zu verschaffen, da die Melkzeit noch nicht gekommen war, sie war halt ganz kalt gesagt "voll"! Jede Mutter die einmal ihren Säugling aufwecken musste zum stillen, weil ihre Brüste vor lauter Milch darin so schmerzten, wird jetzt nachvollziehen können, wie es der Kuh ging. Grausam, einfach grausam sowas. Eine andere Kuh hatte starken blutigen Ausfluss, was offenbar auch niemanden zu interessieren schien... Einige meiner Kommilitonen, die aus der Milchviehhaltung kamen, waren ebenfalls geschockt und meinten, dies sei absolut kein Vorzeigebetrieb.

Besonders leid taten mir aber die Sauen. Wenn sie einige Tage vor demabferkeln stehen, werden sie zwischen zwei Metallstangen eingeklemmt und hinten ist auch noch eine Schranke, somit können sie nur stehen oder liegen, keine weitere Bewegung ist möglich. Nach dem ferkeln und während der gesamten Säugeperiode müssen sie in dieser Stellung verharren. Und das sind 25 Tage, die die Tiere quasi bewegungsunfähig eingepfercht werden. Wer tut sowas? Das ist Tierquälerei! Dann hat sich unser Führer noch damit gerühmt, dass er der Sau noch ein paar Tage mehr mit ihren Ferkeln gönnt, also 25 statt 21 Tage, wie großartig für das Tier und wie sehr er doch an das Wohl der Sau denkt! Hallo?? Wenn die Ferkel dann der Mutter entrissen werden wird die arme Mutter SOFORT wieder besamt, was heißt das sie durchgehend entweder trächtig oder säugend ist! Eine Gebärmaschine also, oder ein Produktionsroboter, der kleine rosa Fleischbällchen ausspuckt. Dann dürfen sie zur Abwechslung für die nächsten 100 Tage in den Wartebereich. Da sind sie dann in einer Gruppe mit vielen anderen und haben sogar "Spielzeug", ein Baumstamm, ach wie toll!! Aber PLastikboden und keinerlei Abwechslung, keine Möglichkeit ihren Wühldrang auszuleben. Und was hat sich der Typ da wieder gerühmt, die hätten ja sooo viel Platz und könnten sich 100 Tage GANZ FREI bewegen, als wenn das so ein tolles Privileg wäre. Gehts dem noch gut? Jedes Tier sollte das Recht haben sich IMMER frei zu bewegen und das tun was ihm beliebt. Ich konnte mich nur mit Mühe und Not zusammen reißen, um nicht raus zu rennen oder den Kerl zu schütteln und anzuschreien.

Als Krönung hat er dann behauptet "ja,ja ich verstehe schon die Sprache der Tiere", hmm gut das er kein Dolmetscher geworden ist, da hätte er rettungslos versagt!

Ich glaube dem Ganzen ist nichts mehr hinzuzufügen

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Alles neu macht der....Oktober

Hallöchen!
Ich weiß, ich weiß, ich hab mir mal wieder viiiel Zeit gelassen mit einem neuen Post, aber es gibt viele Neuigkeiten. Ich habe meine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin am 30.9. und 1.10. in Hohenroda mit der verbandsprüfung beendet und bestanden *strahl* Jetzt bin ich also richtige, fertige Tierheilpraktikerin. Allerdings wird es noch eine Weile dauern bis ich mich selbstständig mache, wenn überhaupt. Aber immerhin bin ich mir sicher das ich mein Wissen auch anwenden möchte.

Das führt mich zu der zweiten Neuigkeit, ich habe mein Biostudium geschmissen. Es war dann doch absehbar, dass ich keine wissenschaftliche Ader habe. Hat mich schon immer gestört, diese ganze Theorie und das ich im Endeffekt einfach nur zu Wissenschaftlerin ausgebildet werde und nicht zur Biologin, wie ich sie definieren würde. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt ich mache mich an die Arbeit um meinen Traum vom eigenen Hof mit allem drum und dran zu verwirklichen. Seit zwei Tagen nun bin ich an der FH Soest und studiere Agrarwirtschaft. Gefällt mir bisher ganz gut, ist nur recht anstrengend und VWL Vorlesung war sehr langweilig gestern. Mal schauen, vielleicht wirds noch spannender.
Ich habe mir zum Ziel gemacht, "den Feind" erstmal von Grund auf kennen zu lernen, um dann aus dieser Position heraus etwas für die armen, gequälten Nutztiere zu tun. Vermutlich werd ich eh niemanden dazu bringen können, kein Fleisch mehr zu essen oder keine Milchprodukte zu konsumieren, ich find es ja selbst hier und da doof, weil ich echt auf Käse stehe. Ich möchte eine wirtschaftlich umsetzbare Möglichkeit finden Tiere so in der Landwirtschaft zu halten, dass man ihre Produkte tatsächlich ohne ein schlechtes Gewissen konsumieren kann.
Es gibt da folgenden Masterplan: Kühe für Milch, die ihre Kälber bis zum Zeitpunkt des natürlichen abstillens behalten dürfen (muttergebundene Kälberaufzucht) und in dieser Zeit nur von Hand gemolken werden. Genügend Platz und immer frische Luft, außerdem auch Spielzeug und Beschäftigung, das Erleben positiver Dinge, auch für das Nutztier Kuh. Die Kälbchen werden niemals enthornt oder etwa ohne Betäubung kastriert. Auch würde ich meine Tiere nicht zu Auktionen schicken, um sie an irgendwelche skrupellosen Händler zu verticken. Kein Tier verlässt lebend den Hof! Um das schlachten werde ich vermutlich nicht herumkommen, ist es doch auch Teil des natürlichen Kreislaufs. Aber die Tiere sollen per Kopfschuss auf der Weide getötet werden, im Kreise ihrer Herde und ohne Schmerzen. Erst dann werden sie geschlachtet. Außerdem kommt es für mich nciht in Frage Jungtiere oder sogar Kälber zu schlachten, nur ausgewachsene Tiere. zudem ebenfalls nicht im alter von 6 Monaten (wie bei Schweinen), sondern wenn sie den großteil ihres Lebens bereits hinter sich haben. Eine Kuh kann ja immerhin bis zu 20 jahre alt werden. Dann also mit 18 oder 15 oder was auch immer da irgendwie wirtschaftlich möglich ist. Aber auf gar keinen Fall vor dem 12ten Lebensjahr. Und davor sollen es die Tiere wirklich gut haben!
Bei Schweinen hab ich mir das ähnlich gedacht, jedes Schwein soll hauptsächlich draußen leben, genug Platz haben, eine ausgewogene zum Tier passende Ernährung und ein eigener Rückzugsbereich. Außerdem natürlich Suhlen mit Wasser und Schlamm zur Temperaturregulierung, ausreichend Beschäftigungs- und Spielangebote. Kein Schlachten von Ferkeln oder Jungtieren!
Behandlen würd ich dieTiere erstmal homöopatisch und wenns nicht anders geht, dann natürlich ab zum Tierarzt und der soll ann wirklich alles tun, was er kann, um es wieder zu heilen. Genau wie man es bei einem Menschen auch machen würde!
In Gedanken habe ich auch noch Schafe, Ziegen, Hühner (ohne Tötung der männlichen Hähnchen versteht sich), Wachteln und Pferde( nicht zum Verzehr ;-D ).Mal sehen was daraus wird...Vielleicht findet sich ja noch der eine oder andere, der an dem Projekt mitwirken möchte, so dass alles auf festeren Beinen steht.

Und dann hab ich auch noch meine Nebenjobs gekündigt, um beim Cafe Pablo neu anzufangen, denn dort kann ich auch einfach mehr verdienen. Gestern war die erste Schicht, anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht, da meine Mitspülerin, die Anna, echt nett war!

´Tja und sportlich werd ich wohl auch noch, zumindest möchte ich mich nächste Woche für Rhönrad und Aquafittness beim Hochschulsport für das kommende Semester anmelden, da bin ich auch schon ganz gespannt was das geben wird :-)